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Erfolg im Business

Susanne Strobach

BloggerInnen, ExpertIn

„Wer sich keine Sorgen macht, der leidet womöglich unter Phantasiemangel“ meint John Irving in einem Interview im neuen Diogenes-Magazin. Halten Sie es eher wie er oder wie die immer stärker verbreiteten buddhistischen Ansichten „Hör auf zu denken, sei einfach glücklich“? Oder liegen Sie so in der Mitte drin? Wie auch immer: Im Berufsalltag sehen wir uns mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, mit denen wir mehr oder weniger gut zurechtkommen. Mit diesem Blog gibt Trainerin und Mediatorin Susanne Strobach Einblicke in verschiedene "Problemstellungen" und lässt dabei ihre Erfahrungen aus der Praxis einfließen.

13 Februar 2013 | 13:39

Mehr Jobgenuss durch Achtsamkeit am Arbeitsplatz – Teil 2

"Das Leben besteht aus Augenblicken.

Achtsamkeit bedeutet,

sich jeden Augenblick dessen bewusst zu sein,

was man tut oder sagt."

Ein junger Mönch, der schon jahrelang meditiert hat, kommt aufgeregt zu seinem Meister gelaufen: "Meister, Meister, ich fühle es, ich bin soweit. Ich habe die Erleuchtung erlangt!" Der Meister sieht kurz auf und fragt: "Sag, draußen regnet es doch? Bist du mit einem Schirm gekommen?" "Ja," entgegnet der junge Mönch. "Und hast du ihn links oder rechts vor der Türe abgestellt als du hereingekommen bist?" In dieser Sekunde war dem jungen Mönch klar, dass er noch weit entfernt von der Erleuchtung war...

Wissen Sie immer wo Sie Ihren Schirm gerade abgestellt haben? ;) Oder die Cafétasse oder die eben kopierten Zettel oder Ihr Handy?

Achtsamkeit in den Alltag einzubauen ist viel einfacher als Sie vielleicht denken, auch im Berufsleben.

Ich werde Ihnen wöchentlich eine kleine Achtsamkeitsübung vorschlagen. Sie werden sehen, mit jedem Tag wird sich Ihr Bewusstsein weiten und ganz unbewusst werden Sie im Laufe der Zeit Ihre Achtsamkeit immer mehr ausdehnen. Ziel ist es, dass Sie immer öfter ganz im hier und jetzt, also ganz "bei der Sache" sind.

Meist sind wir mit unseren Gedanken ja schon in der Zukunft ("Hoffentlich passt dem Chef diesmal die Vorlage!") oder in "Parallelwelten" ("Hoffentlich sind die Kinder warm genug angezogen, denn wenn sie sich erkälten, muss ich Pflegeurlaub nehmen und das geht jetzt gar nicht.") oder in der Vergangenheit ("Wie hat Kollege M. das neulich gemeint? Sollte das ein Witz sein oder war das eine Anspielung auf Veränderungen im Büro? Weiß er mehr als ich?").

Das einzige was zählt, ist das Hier und Jetzt. Vergangenes können wir nicht mehr ändern und "die Zukunft" kommt nie. Denn sobald sie da ist, ist sie die Gegenwart. Also das Hier und Jetzt.

Welcher Tag eignet sich besser dafür sich und Ihrem Umfeld gegenüber ein wenig mehr Achtsamkeit zu schenken als der heutige Aschermittwoch?

Beginnen Sie die Fastenzeit mit einer einfachen Übung, die Sie täglich machen können.

Essen oder trinken Sie eine Sache am Tag achtsam.

Es kann die Tasse Café sein. Vielleicht stehen Sie neben der Cafémaschine, während sie die Bohnen mahlt, das Wasser mit Druck durch das Pulver schießt und der Café hinunterrinnt. Sie hören bewusst das Mahlen der einzelnen Bohnen, Sie nehmen den Duft wahr. Sie spüren die Sonne der die Bohnen ausgesetzt waren um zu reifen. Vielleicht geben Sie Zucker und Milch dazu. Machen Sie jeden Handgriff achtsam und in Fürsorge für sich selbst (oder für alle KollegInnen, denen Sie jetzt eine Tasse mitmachen). Dann trinken Sie nicht sofort. Atmen Sie den Geruch des Cafés ein, vielleicht mit geschlossenen Augen. Nehmen Sie einen kleinen Schluck in den Mund. Was schmecken Sie zuerst? Ist er süß? Bitter? Stark? Trinken Sie Ihre Tasse Schluck für Schluck achtsam und mit Genuss.

Sie können aber auch einen Apfel achtsam essen. Nehmen Sie ihn in die Hand, fühlen Sie seine Schale, betrachten Sie seine Farben. Wie sieht er aus? Wie fühlt er sich an? Wo ist er gereift? Welchen Weg hat er schon hinter sich? Nehmen Sie einen Bissen und lassen Sie ihn erst eine Weile im Mund bevor Sie ihn schlucken. Schmeckt er sauer? Süß? Mehlig? Kauen Sie ganz langsam und bewusst und nehmen Sie wahr, ob sich der Geschmack vielleicht verändert. Verfolgen Sie den Bissen wie er Ihre Kehle hinunterrutscht bis er im Magen landet. Genießen Sie Ihren Apfel mit allen Sinnen!

Sie sehen, Achtsamkeit hat nichts mit Enthaltsamkeit zu tun. Im Gegenteil. Achtsam leben lädt Sie ein, bewusst ein genussvolles, intensives Leben zu führen.

In diesem Sinne, eine genussreiche achtsame Woche!

Ihre Susanne Strobach

Hier noch ein Buchtipp:

Jon Kabat-Zinn, Im Alltag Ruhe finden. Mens Sana Verlag, Eur 9,30

 Jon Kabat-Zinn - Im Alltag Ruhe finden


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