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Familienalltag

Sandra Velásquez

BloggerInnen, ExpertIn

Auseinandersetzungen sind innerhalb einer Familie ganz normal und gehören zum Alltag dazu. Doch egal, wie groß die Meinungsverschiedenheiten sind, es ist wichtig, respektvoll Konflikte zu lösen. Mit meinem Blog will ich Probleme ansprechen und Mut machen, sich Auseinandersetzungen zu stellen. Denn letztendlich sind sie auch immer eine Chance, das eigene Verhalten zu überdenken und  es beim nächsten Mal besser zu machen. Wichtig ist dabei, als Eltern Grenzen zu ziehen – das gibt Orientierung und stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes.

 

29 März 2012 | 17:15

Grenzen ziehen

"Welche Grenzen soll ich ziehen?" Diese Frage begegnet mir nicht nur in meiner Arbeit als Psychologin, sondern auch als Mutter, in Augenblicken, wo die Herausforderungen der Erziehung mich völlig „kalt erwischen“. Meine Kinder sind jetzt Teenies, die immer selbständiger werden. Wo loslassen? Wo noch kontrollieren? Normalerweise klappt es gut, aber ich habe nicht immer die Antworten, just wenn ich sie brauche. Den Anspruch, immer sofort und richtig reagieren zu müssen, habe ich Gott sei dank längst als kontraproduktiv erkannt. Was tun, wenn wir nicht weiter wissen? Wenn uns das Kind herausfordert und wir ziemlich ahnungslos dastehen?

Mir hilft es sehr, zu wissen, dass ich mindestens eine Minute habe, mich zu besinnen und zu spüren, wie es mir mit der Situation geht… und ich sage dies dann auch zu meinem Kind. Danach besinne ich mich auf das, was ich mir wünsche und was ich möchte, was passieren sollte, statt dem, was gerade läuft. Und wenn ich mir auch dort noch nicht ganz sicher bin, nehme ich mir (es geht wirklich fast immer) die nächste Minute für eine Auszeit. Was auf jeden Fall nichts bringt und alles noch schlimmer macht, weil dies die Stimmung und den Kommunikationswillen in den Keller schickt: anschreien, beschuldigen, leere Drohungen aussprechen, jammern oder lange Reden halten u.a.

   

Jede Auseinandersetzung mit unseren Kind muss genau das sein: ein sich Auseinandersetzen. Wir setzen uns auseinander mit dem, was dem Kind gut tut, mit dem, was uns möglich ist, mit den Lücken, wo wir nicht weiter kommen und sehr wahrscheinlich Unterstützung brauchen. Einen Konflikt mit dem eigenen Kind zu haben, bricht niemanden und gefährdet keine Beziehung, wenn wir uns selbst und das Kind respektieren. Das ist der Anfang der gesunden Grenzen. Jedoch egal, wie vernünftig und notwendig eine Grenze ist, erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind diese akzeptiert. Es wird weinen, vielleicht mit Ihnen eine Weile nicht reden oder sagen, dass es sich nicht geliebt fühlt. Wenn wir die Gewissheit haben, dass unser Verhalten dem Kind gegenüber eine wertvolle Lernerfahrung bedeutet, die sein Selbstbewusstsein stärkt, wäre es falsche Zuneigung, sich weich klopfen zu lassen. Also nur Mut und durch!


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